27/08/2026
https://www.facebook.com/share/p/1DXfzMs6CJ/
Nein, Herr Bundeskanzler die Kritik ist nicht zu hart.
Sie ist mehr als berechtigt.
von Christian Lukas-Altenburg ©®08/26 „der Kritiker"
Da sitzt Friedrich Merz im Fernsehen und beklagt sich darüber, dass eine Kinderärztin ihm vorwirft, seinen Amtseid zu brechen. „Das geht zu weit“, sagt der Kanzler. Eine persönliche Herabsetzung sei das.
Ach wirklich?
Wenn der Kanzler selbst die Schwächsten der Gesellschaft politisch ins Visier nimmt,
wenn Menschen mit wenig Einkommen, Familien, Arbeitslose, Kranke und diejenigen, die ohnehin kaum noch wissen, wie sie ihren Alltag bezahlen sollen, ständig unter Generalverdacht gestellt werden dann ist das offenbar harte Politik.
Wenn aber genau diese Menschen oder ihre Vertreter den Kanzler dafür kritisieren, wird plötzlich die empfindliche Politiker-Seele entdeckt.
Dann ist Schluss mit der harten Schale.
Dann beginnt das große MiMiMi.
Und genau da wird es geradezu grotesk.
Politiker dürfen Menschen als „arbeitsunwillig“, „leistungsverweigernd“ oder potenzielle Missbrauchsfälle darstellen.
Sie dürfen Sozialleistungen kürzen, Druck erhöhen und Menschen das Gefühl vermitteln, sie seien selbst schuld an ihrer Situation.
Aber wehe, jemand dreht den Spieß um und sagt:
„Herr Merz, ich halte Ihre Politik für falsch und sehe darin einen Bruch Ihres Amtseides.“
Dann ist es plötzlich „persönlich“, „unzulässig“
und „zu viel“.
Das erinnert inzwischen tatsächlich an jene politische Kommunikationsstrategie, die man sonst gerne bei der AfD kritisiert: nach unten austeilen und nach oben empört sein, sobald zurückgeschossen wird.
Herr Merz, Demokratie ist kein Wellnesshotel für Regierungschefs.
Wer politische Entscheidungen trifft,
muss politische Kritik aushalten.
Und zwar nicht nur die handzahme Variante mit anschließendem Schulterklopfen.
Gerade eine Kinderärztin darf sich Sorgen um die Zukunft von Kindern machen. Gerade Eltern dürfen fragen, warum Familien ständig hören, dass
„leider kein Spielraum“ vorhanden sei,
während gleichzeitig Milliarden bewegt werden.
Und gerade Bürgerinnen und Bürger dürfen einem Bundeskanzler vorhalten, wenn sie der Überzeugung sind, dass seine Politik nicht dem Wohle des Volkes dient.
Das ist keine Majestätsbeleidigung.
Das ist Demokratie.
Also, Herr Bundeskanzler.
Weniger beleidigte Kanzler-Empfindlichkeit und etwas mehr Bereitschaft zur Selbstkritik wären vielleicht ein ganz guter Anfang.
Denn wer austeilt, muss auch einstecken können.
Oder, um es ganz einfach zu sagen.
Wer den Bürgern ständig erklärt, dass sie härter werden müssen, sollte nicht selbst beim ersten Gegenwind nach dem politischen Taschentuch greifen.
Der Kritiker schüttelt den Kopf.
Und zwar ziemlich kräftig.
Bild: FOCUS Online Politik