25/07/2026
17 Kilo, die vieles infrage stellen
Es ist mir gerade erst zum dritten Mal passiert: Dass ich in einer mir unbekannten Elektronik-Kette einen Lautsprecher höre, der so überlegen, so richtig, so mächtig und zugleich so natürlich aufspielt, dass ich alles daran setze, ihn unbedingt mit vertrauten Verstärkern und Quellen im eigenen Hörraum zu erleben.
Den Auftakt machte die SE MF-4 von Strauss Elektroakustik aus der Schweiz. Ich durfte sie zunächst bei Günter Pauler von Stockfisch Records hören. Zusammen mit dem passenden Sockel war das eine akustische Einheit im Telefonzellenformat – doch einige Wochen später stand sie bereits in meinem Hörraum und verzauberte mich viele wunderschöne Monate lang.
Nummer zwei? Natürlich die begnadet aufspielende Aeonor von Martion. Heiner Basil Martion präsentierte sie auf der vorletzten High End am Standort München. Seitdem halte nicht nur ich diese Hornschöpfung für das schlichtweg Beste, was man für Geld und gute Worte erreichen kann. Sie bleibt für mich persönlich Ziel und Referenz.
Strauss und Martion spielen allerdings nicht nur klanglich, sondern auch preislich und physisch in einer eigenen Liga. Groß, schwer und kostspielig – ihr Klang rechtfertigt das zweifellos, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt aus meiner Sicht überzeugend.
Dass es auch ganz "anders" geht, zeigte mir vergangene Woche ein Besuch bei Christian Schmauder in Düsseldorf. Anlass war eigentlich ein anderes, hochspannendes Thema. Doch in seinem Wohnzimmer stand ein unscheinbarer Dipollautsprecher – elegant, filigran und beinahe zierlich wirkend.
Wir hörten nur wenige Titel. Die hochauflösende Quelle hat Christian selbst entwickelt, die Endstufe stammt von keinem Geringeren als Mike Bladelius, wiegt rund 85 Kilogramm und arbeitet kompromisslos in Class A.
Aber diese Lautsprecher …
Woher nehmen sie nur diesen Bass? Vor allem aber faszinierte mich der Mittel- und Hochtonbereich: glasklar, präzise und zugleich von einem sanften Schmelz getragen. Ja: tatsächlich beides gleichzeitig. Dazu kamen die Leichtigkeit eines superb abgestimmten Hornsystems und die feine Durchzeichnung eines Elektrostaten.
Gerade einmal 17 Kilogramm bringt ein einzelner Lautsprecher auf die Waage. Die Axion des griechischen Herstellers Matter wirkt beinahe schwerelos – und spielt doch mit einer Autorität und Selbstverständlichkeit, die ich ihr niemals zugetraut hätte. Hinzu kommt: Sie soll sich vergleichsweise unkritisch bei der Aufstellung zeigen und auch keinen unstillbaren Hunger nach Verstärkerleistung entwickeln.
Ideale Voraussetzungen also für eine neue Folge von „Kettenkritik“. Was braucht ein derart ungewöhnlicher Lautsprecher wirklich, um sein gesamtes Potenzial zu entfalten?
Eigentlich war ich wegen eines ganz anderen Themas nach Düsseldorf gefahren.
Zurückgekommen bin ich mit einer Lautsprecher-Bestellung.
In wenigen Tagen werden die Axion-Dipole ihren Einstand in meinem Hörraum geben. Start frei zum Test – seit Sonntag, den 26. Juli, 11.30 Uhr befinden sich die Axion bei mir...
Joachim Pfeiffer