27/07/2026
Verlernen wir durch KI gerade, Qualität zu erkennen?
Neulich klicke ich auf die Anzeige eines etablierten Unternehmens. Großes Budget, professionelle Werbung, viel Reichweite.
Dann lande ich auf der Website. Und sehe sofort: Hier wurde der erste KI-Entwurf veröffentlicht. Nicht gestaltet. Nicht hinterfragt. Einfach übernommen.
Die Seite funktioniert. Aber sie hinterlässt nichts. Kein Gesicht. Keine Marke.
Das beschäftigt mich. Nicht wegen der KI, ich arbeite selbst jeden Tag mit ihr. Sondern wegen der fehlenden Entscheidung dahinter.
Denn KI trifft keine gestalterische Entscheidung. Sie kombiniert Wahrscheinlichkeiten. Ob daraus Mittelmaß wird oder etwas Besonderes, entscheidet immer noch der Mensch.
Nur wird diese Entscheidung immer seltener getroffen. Wir übernehmen Farben, Layouts, Texte, Bilder. Nicht, weil sie außergewöhnlich sind, sondern weil sie gut genug wirken.
Früher war Kreativität der Engpass. Heute ist es Urteilskraft.
Der Wert liegt nicht mehr darin, etwas zu erzeugen. Das kann heute fast jeder in Sekunden. Er liegt darin, zu erkennen, was wirklich gut ist. Und den Mut zu haben, den ersten Entwurf zu verwerfen.
Fertig und exzellent sind eben zwei verschiedene Ergebnisse.
KI erzeugt keinen schlechten Geschmack. Sie macht ihn nur sichtbarer. Und genau darin liegt die Chance: Je mehr in Beliebigkeit verschwimmt, desto mehr werden Geschmack und Urteilskraft zum Wettbewerbsvorteil.
Aber vielleicht sehe ich das zu sehr als Gestalterin.
Sehen Ihre Kunden den Unterschied noch, oder ist er ihnen längst egal? Schreiben Sie es mir in die Kommentare.