13/10/2026
Viele Unternehmen bauen sich mit der E Rechnung gerade ihre nächste Integrationsbaustelle.
Nicht weil EN 16931, XRechnung, UBL oder CII schlechte Standards wären. Sondern weil sie zu tief in ERP, CRM und Fachsysteme eingebaut werden. Für Accounting wirkt das zunächst sauber. Dann kommt der nächste Geschäftspartner und braucht EDIFACT, ein eigenes XML oder JSON über eine API. Und plötzlich wird wieder transformiert, nur diesmal aus dem teuer eingeführten Standard wieder heraus.
Das ist für mich der eigentliche Fehler. Nicht der Standard, sondern der Ort, an dem man ihn verankert. Änderungen in einem ERP oder CRM sind selten klein. Da hängen Hersteller, Releases, Tests, Fachlogik und mehrere Teams dran. Eine Anpassung in einer zentralen Transformationsschicht ist dagegen oft überschaubar. Eine XSLT Änderung kostet häufig nur einen Bruchteil dessen, was dieselbe Anpassung innerhalb einer Business Anwendung kostet.
Und die E Rechnung ist ohnehin nur ein Teil der Realität. Daneben gibt es Bestellungen, Aufträge, Stammdaten, Logistik, Statusmeldungen, Portale und APIs. Jeder dieser Prozesse bringt wieder andere Formate und andere Partner mit. Selbst bei Rechnungen ist die Welt nicht einheitlich. In Deutschland können Geschäftspartner unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin andere strukturierte Formate vereinbaren. EDI verschwindet also nicht, nur weil die E Rechnung kommt.
Mich stört nicht der Standard. Mich stört, wenn man ihn an die teuerste und unflexibelste Stelle setzt. Die E Rechnung ist wichtig. Aber sie ist nicht das Unternehmen.
Wer heute nur für Accounting optimiert, kann sich morgen bei jeder weiteren Automatisierung neue Kosten einbauen. Für mich ist deshalb die wichtigere Frage nicht, welchen Standard ein Unternehmen unterstützt, sondern an welcher Stelle dieser Standard aufhört.