05/09/2014
Das Dilemma des lokalen Handels
Jeder kennt mittlerweile die Situation oder hat davon gehört: Ein Kunde kommt in ein Geschäft, lässt sich beraten und kauft anschließend bequem von zu Hause aus beim Online-Versand. Oder er scannt/fotografiert nur noch den gewünschten Artikel, um direkt vor Ort günstige Online-Angebote abzufragen.
Der Handel wirkt angesichts dieser Bedrohung wenig beeindruckt – oder ist es Hilflosigkeit? Immerhin scheinen bisher die Zahlen für die meisten noch zu stimmen, einige Läden mussten sich zwar bereits der Online-Konkurrenz geschlagen geben, aber die Mehrzahl hat offenbar immer noch ein ordentliches Auskommen.
Doch dann sind da die Meldungen, die den lokalen Handel auffordern zu reagieren, ihm nahelegen seine Kunden endlich dort abzuholen, wo sie doch alle sind, mobil online nämlich. Und das man vor allem keinesfalls länger warten dürfe, um nicht gegen die Online-Konkurrenz am Ende zu verlieren.
Im Prinzip hat der lokale Handel heute dazu unzählige Möglichkeiten. Eine eigene Webseite, seit langem Standard, Google Adwords der Marktführer in Sachen Onlinewerbung, Facebook unübersehbar, Groupon kennt auch beinahe jeder und dann sind da noch die vielen anderen Dienstanbieter und technologischen Trends, von denen Beacons der neueste und am meisten gehypte ist (und auch überschätzte).
Doch diese Vielzahl von Möglichkeiten verbindet alle dasselbe Problem: der Aufwand ist nicht gerade klein – vor allem zeitlich aber auch finanziell – und da das Geschäft nunmal lokal ist und gerade die kleineren Läden alles selber machen – Einkauf, Buchhaltung, Dekoration, Werbung vor Ort und nicht zuletzt den Verkauf im Geschäft – wieviel Zeitaufwand möchte da ein Unternehmer noch zusätzlich in Onlineaktivitäten stecken, in die Pflege eines Facebookprofils, welches dann nur von eh schon treuen Kunden besucht wird, in die Schaltung von Adwords, was nicht nur teuer sondern auch ziemlich zeitaufwendig und komplex ist, oder überhaupt in die Auswahl des richtigen Online-Kanals mit den besten Erfolgschancen, wo jeden Monat neue Anbieter ihre Aussendienstler vorbeischicken. Viele Lösungsanbieter locken mit schicken Online- oder App-Präsenzen, die mit wohlformulierten Texten, tollen Fotos und irren Rabattaktionen aufgepeppt die Kunden in die Geschäfte locken sollen. Nur, wer schreibt und fotografiert das alles, wenn man nicht teure Dienstleister dafür bezahlen will? Und wann rechnet sich eine Rabattaktion, bei der dem Anbieter gerade noch ¼ des Umsatzes pro Kunde bleibt?
Wenig hilfreich sind dabei die schlechten Erfahrungen, die so manche Unternehmer gemacht haben, die durchaus gewillt waren, den digitalen Zug zu besteigen. Angefangen bei den Webseiten, die zwar teuer waren, aber nur wenig Besucher haben, weil sie kaum einer sucht, sei es mit Online-Gutscheindesastern, wo hunderte Kunden mit Gutscheinen für drastisch unter Wert verkaufte Leistungen sich nur mal eben den Vorteil abholten, ohne wie erhofft zu dauerhaften Kunden zu werden und dabei noch auftraten, als wären sie sofort und bevorzugt zu bedienen, sei es mit Einträgen bei Bewertungsportalen, wo, zufällig oder nicht, gute Bewertungen von Geschäften verschwanden und nur die schlechten blieben, just nachdem die Geschäftsinhaber kostenpflichtige Werbung auf der Plattform abgelehnt hatten. Oder mit einem der zahlreichen digitalen Dienstleister, die mit großen Versprechen aber nur geringem Erfolg vor allem Zeit kosten.
Die Konsequenz daraus – eine große Zahl der kleineren und Inhabergeführten Unternehmen im lokalen Handel wartet ab oder probiert herum und gibt wieder auf, worauf die vielen seit Jahren nicht mehr gepflegten Webseiten und verwaisten Facebookpräsenzen schließen lassen.
Welche Möglichkeiten also hat der lokale Handel noch?
Wir meinen, dass es nicht auf das schönste Bild ankommt, auf den verrücktesten Rabatt oder auf die meisten Posts und gekauften Likes auf Facebook. Wir meinen, wenn es eine Chance gibt, dann kommt sie nicht aus dem digitalen Whow, sondern aus der Aktion und dem Mehrwert vor Ort. Aus einer Kundenbindung, die nicht aufdringlich, aber immer präsent ist, mit Aktionen, Angeboten und Informationen. Die mit guter Beratung und gutem Service punktet und zumindest annähernd konkurrenzfähige Preise bietet. Und die nicht auf Weiterempfehlung hofft, sondern dafür arbeitet. Denn eins zeigen die Umfragen auch in der digitalen Ära – die Empfehlung von Freunden und Bekannten ist immer noch die Erfolg versprechenste Werbung, die ein Unternehmen haben kann.
Der digitale Part dabei ist es, diese Aktionen und Mehrwerte schnell und schnörkellos seinen Kunden und Interessenten mitzuteilen. Ihnen immer wieder einen Grund zu geben vorbeizukommen und den Service zu wertschätzen. Das bedeutet auch, alles überladene und belästigende wegzulassen, denn das hilft maximal für kurze Zeit, Aufwand und Ergebnis stehen außerdem in keinem Verhältnis.
Weshalb wir Beacons für überbewertet halten?
Beacons, das ist eine interessante Technologie, soviel ist sicher. Aber in der Form, in der Beacons zur Zeit als die Rettung des Lokalen Handels und neuen Umsatzbringer gehypt werden, bin ich mir sicher, dass dieser Technologie nur eine kurze Blüte beschieden sein wird. Bis sich nämlich die mit hunderten Angeboten zugeschmissenen Kunden vor weiterer Belästigung schützen werden und einfach ihr Bluetooth abschalten. Der Fehler liegt also nicht in der Technologie selbst, sondern in dem Umgang damit.
Foto-Credit: CC-BY murdelta (http://www.flickr.com/photos/murdelta/)