31/03/2024
Ich denke, die Zeit ist mal wieder reif für einen Ausraster. Oder: Thank you for traveling with Deutsche Bahn. Frei ins Hochdeutsche übersetzt: Danke für garnix!
Es ist ja nicht so, daß ich selbst auf die Idee gekommen wäre, mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Ostsee zu fahren. Anlass war die Notwendigkeit, jemanden mit dessen Auto zurückzuholen, der im Osterurlaub erkrankt ist. Nichts Dramatisches, aber an Rückfahrt aus eigener Kraft war nicht zu denken.
Also mal die Verbindungen gecheckt und schnell festgestellt: Preislich ganz erträglich (Auto wäre spürbar teurer!), aber über Nacht schon auf dem Papier ein Höllenritt mit zigmal Umsteigen. Die Befindlichkeiten um die RB52 machen es schon auf der ersten Etappe nicht besser.
Bemerkenswerterweise klappte die Sache bis Lübeck HBF ganz gut. Ich musste sogar feststellen, dass es der Bahn gelungen ist, mit dem ICE den Komfort und das Gefühl des Fliegens zu erreichen. Zumindest was die Platzverhältnisse auf den Sitzen betrifft (Hölle!), und das Rappeln aus dem Fahrwerk, was Luftlöcher ausgesprochen authentisch nachbildet. Einmal dachte ich, wir wären abgeschossen worden. Beim Buchen keinen Hinweis darauf, dass man einen Platz mit Tisch reservieren sollte, um die Zeit sinnvoll zu nutzen oder ein Mindestmaß an Beinfreiheit zu genießen. Danke übrigens an alle Idioten, die ihr Gepäck einfach mitten in den Gang werfen! Nächste Mal steige ich allerdings direkt in Dortmund ein, ich hatte das Gefühld dorthin laufen zu müssen, um den Zug von meiner Position des Bahnsteiges (Hagen HBF) überhaupt noch erreichen zu können.
Ach ja: Lübeck. Dort gegen 2 Uhr aufgelaufen. Kein Kaffeeautomat - ok, zu verschmerzen. Hatte zum Glück die Stunde Aufenthalt in Hamburg genutzt. Und dort über 12!!! verschiedene Sorten Franzbrötchen beim Bäcker gestaunt. Ärgerlicher war, dass die Toiletten um 22 Uhr dichtgemacht wurden. Derartiges habe ich letztmalig am Schloss Sanssouci erlebt. Das war allerdings 1990 kurz nach dem Mauerfall. ("Pinkelpause" neu definiert = Klo von 13 bis 15 Uhr dicht)
Jedenfalls gefühlt stundenlang in dem Bahnhof herumgelungert, der Anschlusszug kam ja erst um 4.12 Uhr. Erst um 4.18 Uhr ist der Bahn aufgefallen: Nein, der fällt komplett aus. Allerdings ohne Hinweis, was man jetzt tun möge. Bahn-Hotline empfahl Taxi, allerdings ohne verbindliche Zusage. Und Vorstrecken hätte ich das Geld auch noch müssen. Später ergab die telefonische Nachfrage: Es gäbe eh keine Entschädigung, weil die Bahn' keine Schuld an dem Ausfall träfe (wen den aber bitte sonst?!?!).
Plötzlich: Ein Ersatzzug für 5.12 Uhr. Selbe Stelle, selbe Welle. Sehr dubios, aber irgendwie auch erfreulich. Ohne den freundlichen Hinweis eines anderen Reisenden wäre mir allerdings erst zu spät aufgefallen, dass der Ersatz auf einem anderen Gleis wartete, trotz anderslautender Info-Anzeige. Egal. Irgendwann bin ich dann tatsächlich am Zielbahnhof angekommen. Noch 22 Kilometer vom Ziel entfernt.
Dort musste ich wiederum ca. 1,5 Stunden auf den ersten Bus warten. Der laut Fahrplan am ZOB aber nicht fuhr. Morgens um 6 Uhr an der Ostsee, und drei !!!! verschiedene Angaben über die einzige Busverbindung. Laut Ticket 6.55, laut Website des Busbetriebes 6.52 Uhr - und laut Fahrplan an Haltestelle überhaupt nicht, weil diese Verbindung erst ab dem 6. April wieder fährt.
Taxifahrer fragte mich erstmal, wie weit man denn zu meinem Zielort fährt. So zur Kosteneinschätzung. Das wäre ungefähr so, als wenn der Taxifahrer aus Schalksmühle vom Fahrgast aus München erstmal wissen wollte, wie weit denn der Weg nach Meinerzhagen ist. Demnächst muss wohl der Fahrgast die Ortskenntsnisprüfung für den Taxischein ablegen.
Das Happy End: Ich bin trotzdem angekommen. Und: Um 6.55 Uhr kam tatsächlich ein Bus, den ich aber nicht mehr genommen habe. Ich wurde dann doch abgeholt. Mein Fazit: Nie wieder Deutsche Bahn. Mein tiefes Mitgefühl gilt allen, die beruflich darauf angewiesen sind.