13/05/2022
Kein Benzin mehr in Ostdeutschland? Ein aktuell realistisches Szenario! Daher habe ich am Freitag (den 13.) ein Experiment gewagt: 60 kg Drucksachen zu einem 80 km entfernten Kunden zeitnah ausliefern. Normalerweise ist das mit einem Auto kein Problem und eine Sache von zwei Stunden. Aber wie geht das mit einem Lastenrad, wenn der Fall der Fälle eintritt? Der Test beginnt um 10.30 Uhr mit dem Rad Richtung Bahnhof Frankfurt. Fahrkarte nebst Fahrradkarte sind fix gekauft. Zum Bahnsteig kommt man bequem mit dem Aufzug. Beim Einsteigen in den Zug gibt es das erste größere Problem: Der originale Fahrradsattel ist dem Zusatzgewicht beim abschüssigen Einstieg nicht gewachsen und reisst ab. Eine wirklich doofe Situation. Gott sei Dank ist der Zug fast leer und ich kann bis zur Endstation in Ruhe versuchen, den Sattel wieder zu befestigen - was mir leider nicht gelingt. Beim Ausstieg, jetzt ist der Bahnsteig etwas bergauf, müssen mir dann zwei Leute helfen, das Rad aus dem Zug zu bekommen, uff. Glücklicherweise nimmt sich in Bahnhofsnähe ein freundlicher
Fahrradhändler meiner an, dem es jedoch auch nicht gelingt, den defekten Sattel in Ordnung zu bringen, mir jedoch einen neuen verkauft. Danke! Nun liegen noch 14 km Radstrecke bis zum Kunden vor mir, landschaftlich teilweise sehr schön und es stellt sich fast ein kleines Urlaubsfeeling ein - einmal abgesehen von den 60 kg Zusatzgewicht. Die gepflegte Kreisstraße irgendwo in der Brandenburger Provinz hat zwar keinen Fahrradweg, ist aber kaum von Autos befahren - verdächtig wenig, eigentlich gar keine Autos ... Urplötzlich endet die Straße mit einem über die komplette Breite aufgestellten Durchfahrtsverbotsschild. No pasaran! Auch für Fahrräder kein durchkommen. Während maps.google diesen Abschnitt für Autos auch völlig korrekt als gesperrt kennzeichnet, ist die Route für Fahrräder fälschlicherweise als passierbar dargestellt.
Eine freundliche Einheimische weist mich auf einen parallelen Waldweg als Umfahrung hin, der sich im Verlauf jedoch vielleicht als für ein Mountainbike möglich, für ein stramm beladenes Lastenrad aber als Katastrophe offenbart. Bergauf, bergab, Sand und Mücken ohne Ende - welch teuflisches Gemisch. Gegen 14 Uhr bin ich endlich beim Kunden, der seine Lieferung wohlbehalten in Empfang nimmt.
Der Rückweg ist dann natürlich ein anderer, eher eine Herausforderung für die Stoßdämpfer. Irgend etwas ist ja immer. Den jetzt gut besetzten Zug zurück erreiche ich aufgrund der Probleme beim Hinweg nur sehr knapp. Sonst müsste man hier eine Stunde auf den nächsten warten. Da am Bahnhof keine Zeit mehr war, bitte ich dann den Zugbegleiter, mir eine Fahrkarte zu verkaufen. Etwas brummig stellt er mir, allerdings nur gegen Barzahlung, den Schein aus. Irgendwie fühle ich mich jetzt doch als Fremdkörper mit meinem sperrigen Rad zwischen all den Pendlern
in dem vollen Zug. Der Austieg so ganz ohne Last ist dann ein Kinderspiel. Um 16.30 Uhr bin ich endlich zurück, nach immerhin 6 Stunden Reisezeit.
Fazit: Ich hoffe, dass Benzin nicht so bald zur Mangelware wird. Noch einmal möchte ich so nicht liefern müssen. Dabei sind es bei genauer Betrachtung eigentlich nur negative Kleinigkeiten, die jedoch große Auswirkungen haben. Vielleicht ist ja auch ein E-Auto im Fall der Fälle eine Lösung. Ich weiß es gerade nicht. Mit dem Lastenrad ist man mit der genannten Aufgabe jedoch schnell überfordert. Auch zeitlich ist das Verhältnis von 2 zu 6 Stunden ziemlich ungünstig. Zum Schluss noch ein Blick auf die Kosten: Die Fahrkarten haben in Summe ca. 28 Euro gekostet, der Strom für das Rad ist im Cent-Bereich. Mit einem sparsamen Diesel ist die Lieferung kaum teurer. Schönes Wochenende - ich bin jetzt weg - mit dem Auto!