11/09/2026
Bequem sind wir alle. Mal. Oder vielleicht auch zu oft. Ist auch gar nichts gegen zu sagen. ‚Aktiv’ liegt im Alphabet dennoch davor. Aktiv zu sein, bringt zwar nicht mehr Ergebnisse, aber meistens die beliebteren: Zufriedenheit, Motivation und schlanke Füße. Zu denen von ‚Bequem’ gehören eher solche wie Trägheit, Bauchfett oder Lustlosigkeit. Eine gute Balance von Genuss und Disziplin ist hingegen gesund und fühlt sich meistens richtig an.
Aktivismus ist allerdings gefordert in Zeiten, in denen eine partielle Sonnenfinsternis mehr Leute auf die Straße bringt als drohender Faschismus. Da muss man sich schon fragen, ob die Gesellschaft ihren Untergang nicht gerade selbst hart erarbeitet.
Wir suchen immer Schuldige: Politikerinnen, Influenzer, Konzerne, Fremde, Mitbewohnerinnen, Nachbarn, Tiere, die Sonne… Aktiv in den Spiegel zu schauen, ist vielleicht zu bequem.
A***h huh, Zäng ussenander! (Köln 1992)
Der Mensch ist faul, gemütlich und zudem
nachlässig, müßig und bequem
Er lässt den Dingen ihren Lauf
lehnt sich zurück, verlässt sich drauf
dass irgendwer sich rege einsetzt
und macht, damit man sich da reinsetzt
er bleibt ganz lässig und naiv
und wird noch nicht mal dann aktiv
wenn nichts mehr geht wie stets erwartet
„Wir hab’n doch mal so gut gestartet!“
Ein Opfer wird dann schnell gesucht
Das schuldig ist: gejagt, verflucht
Ganz schwarz erscheint am Horizont
Der Unkenruf auf breiter Front
die Welt geht zwar mitnichten unter
doch das System den Bach hinunter
weil man’s den Heuchlern überlässt
Die Angst erledigt dann den Rest
So viel scheint sich zu wiederholen
die Muster, Lügen, und Parolen
man denkt sich, kann das wirklich sein?
schon wieder fallen wir drauf rein
„Hätte“ kommt bequem ja dann prompt
Aktiv sein muss man, wenn’s drauf ankommt
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