05/08/2026
Seit dem 2. August gilt ein deutlich größerer Teil des EU AI Act – darunter die Transparenzpflichten nach Artikel 50.
Unsere Geschäftsführerin Yana Gogoll ordnet ein, was das für Unternehmen bedeutet, die KI bereits im Einsatz haben - und warum jahrelange Investitionen in Qualitäts- und Nachverfolgbarkeitsstrukturen jetzt zum Vorteil werden können.
Eines der zentralen Regulierungsthemen dieser Woche ist der nächste Schritt bei der Umsetzung der KI-Regeln in der EU, auch in Deutschland.
Der EU AI Act ist nicht neu. Er trat im August 2024 in Kraft, und seine ersten Bestimmungen gelten bereits seit Februar 2025. Seit dem 2. August 2026 findet nun ein deutlich größerer Teil der Verordnung Anwendung, darunter auch die Transparenzpflichten nach Artikel 50.
In Deutschland gelten diese Regeln auf derselben Grundlage wie im übrigen EU-Raum. Sie betreffen unter anderem die direkte Interaktion mit KI-Systemen, bestimmte KI-generierte oder manipulierte Inhalte, Deepfakes, Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung.
Nur wenige Tage zuvor hatte Deutschland auch seine nationale Aufsichtsstruktur gesetzlich geregelt. Damit ist festgelegt, wer die Einhaltung überwacht und wie die Durchsetzung des AI Acts organisiert wird. Die Bundesnetzagentur übernimmt dabei eine zentrale Rolle, während BaFin und andere Fachaufsichtsbehörden innerhalb ihrer jeweiligen Zuständigkeiten verantwortlich bleiben.
Tatsache ist: Deutsche Unternehmen waren im Umgang mit KI schon lange vorher vorsichtig. Datenschutz, Vertraulichkeitsanforderungen, die Beteiligung des Betriebsrats und branchenspezifische Regulierung führten häufig dazu, dass KI-Tools eingeschränkt oder nur ausgewählte Lösungen zugelassen wurden. Viele Unternehmen betrachteten Rechtsunsicherheit und Datenschutzanforderungen als wesentliche Hürden für die Einführung.
Trotzdem hat KI ihren Weg weiter in Unternehmenssoftware gefunden. SAP beschreibt KI inzwischen beispielsweise als festen Bestandteil von Prozessen, Daten und Governance und nicht mehr als separates Zusatztool. Laut einer ifo-Umfrage nutzten im Mai 2026 bereits 54,5 % der deutschen Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen.
KI wird damit zunehmend Teil der normalen Unternehmenssoftware, während die Verantwortung, ihren Einsatz sichtbar zu machen, konkreter wird. Einfach zu sagen „Wir nutzen keine KI“ wird für viele Unternehmen langfristig keine realistische Haltung mehr sein.
Für mich läuft es auf einen Perspektivwechsel hinaus:
🔴 Jahrelang lautete die zentrale Frage: Was kann KI für uns leisten? Heute verlangt Europa von Unternehmen und Organisationen, sichtbar zu machen, wo KI eingesetzt wird, und nachzuweisen, dass sie verantwortungsvoll genutzt wird.
Für mich ist das auch eine Frage der Softwarequalität. Komplexe Systeme müssen verständlich, transparent und kontrollierbar sein. KI fügt dieser Herausforderung eine weitere Ebene hinzu.
Bei andagon GmbH entwickeln wir seit vielen Jahren Testframeworks für unsere Kunden und arbeiten mit Softwarequalität in regulierten Branchen. 🟡 Wir wissen, was es bedeutet, wenn eine Organisation nicht nur erklären muss, was ihre Software leisten soll, sondern auch transparente und nachvollziehbare Nachweise dafür erbringen muss, dass sie wie vorgesehen funktioniert, unter anderem durch strukturierte Tests und Dokumentation.
🟢 Für viele Unternehmen könnte jetzt der Moment gekommen sein, in dem sich jahrelange Investitionen in Qualitäts- und Nachverfolgbarkeitsstrukturen sowohl als Grundlage für den Umgang mit neuen Anforderungen als auch als Wettbewerbsvorteil erweisen.
Mich interessiert dennoch Ihre Sicht: Wird diese Regulierung deutschen Unternehmen helfen, KI mit mehr Sicherheit einzusetzen, oder könnte sie die Einführung weiter verlangsamen?