16/01/2024
Megapulser - bleiben Bleibatterien damit länger gut in Schuss? Lohnt sich die Anschaffung oder sind das alles Verkäufermärchen?
Zunächst zur theoretischen Funktionsweise: Befindet sich ein Akku am Ladegerät über 12,9V (und nur dann!), beginnt der Megapulser mit der Arbeit. Nach Ladung wird impulsartig eine Energie vom Megapulser in den Akku geschickt. Die Spannung an den Polen des Akkus steigt dann für einen kurzen Moment an mit der Absicht kristalline Ablagerungen von Bleisulfat aufzusprengen und beides wieder in den Urzustand zurückzuversetzen. Der Hersteller verspricht auf der Webseite: "Mit dem Megapulse behandelt, lassen sich durch Sulfatierung geschädigte Batterien wieder vollständig aufladen und auch tot geglaubte Batterien werden dadurch wieder einsatzfähig gemacht."
Kommen wir aber zurück in die Praxis: Einige Batterien hatte ich nach Vorgabe über mehrere Monate angeschlossen: Vetus AGM, Langzeit AGM, aber auch "normale" Bleisäurebatterien. Nach dieser Zeit am Ladegerät und Megapulser hat sich bei einigen der bereits vorgeschädigten Zellen durchaus - wenn auch nur leicht - der Innenwiderstand reduziert. Einerseits also eine Verbesserung (Messwerte liegen vor).
Bei den Tests hatte ich eher durch Zufall mehrere Megapulser unterschiedlichen Alters getestet: Einer war neu, ein weiterer vier, zwei weitere sechs Jahre alt. Bei der Messung am Oszilloskop zeigten diese auffallend unterschiedliche Werte. Es scheint also offenbar so, dass die vorliegenden älteren Geräte innerhalb weniger Jahre so stark gealtert sind, dass die Pulse deutlich abflachen und das Gerät an Wirkung einbüßt. Die Stromaufnahme beim Aufladen lag bei dem neuen Gerät bei 110mA - im Vergleich von etwa 60mA bei den beiden sechs Jahre alten Geräten. Aufnahmen habe ich sowohl von Impulsen ohne Akku, als auch mit. Die Verhältnisse bleiben gleich, die Wirkung lässt - so scheint es - kontinuierlich nach. Im Anhang die Darstellung jeweils eines Impulses an einem 8Ah Blei-Vliess Akkumulator, hier im Vergleich die Impulsausformung der vier Module unterschiedlichen Alters.
Mein Fazit: Wer seine Akkus regelmäßig voll auflädt und vor Tiefentladung schützt, kann so oder so viele Jahre Freude an Bleiakkumulatoren haben. Hat man regelmäßig die Akkus am Ladegerät, so kann man mit den Megapulsern möglicherweise eine Saison länger fahren, muss aber auch berücksichtigen, dass diese möglicherweise wie in meinem Fall schon vor dem Ableben des Akkus keine nennenswerte Wirkung mehr entfalten und spätestens beim Akkutausch diese dann auch mit ersetzen. Ob sich der Aufwand und die doch erheblichen Kosten für die Anschaffung der Megapulser dann noch lohnen, bleibt letzten Endes fraglich.
Als Elektroingenieur und unabhängiger Yachtelektriker stehe ich täglich vor vielen technischen Fragen, die spontan nicht zu beantworten sind. Deshalb betrachte ich gelegentlich die oft gestellten Fragen näher und teile sie dann gerne mit der Community. Wenn auch dir ein (elektrisches) Thema nicht aus dem Sinn geht, dann melde dich gerne oder schreibe es in die Kommentare.