19/02/2026
Ulrike Kleinert
»Erinnerungsfunken – wider das Vergessen«
Bremer BuchPremiere
Bürgerhaus Weserterrassen – am 11.Februar, um 19:30 Uhr
>>>Ein Lesungsbericht von Monika Sattelberg
Eine szenische Lesung – Autorin Ulrike Kleinert und Schauspielerin Ulrike Knospe, musikalische Gitarrenbegleitung: Aladin Haddad
»Was für ein voller Raum«, staunte auch Janin Rominger vom Literaturhaus Bremen, als sie alle Anwesenden zur Lesung im Bürgerhaus Weserterrassen herzlich willkommen hieß und sich vorstellte. Sie begrüßte die Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung, Vertreter des Vereins Erinnerung für die Zukunft e. V. und des KellnerVerlags und dankte für ihr Kommen.
Überrascht und mit sichtlicher Freude über das große Interesse an ihrem Roman wandte sich Ulrike Kleinert an die überaus zahlreich erschienenen Gäste, stellte ihre Mitleserin Ulrike Knospe vor und begrüßte mit warmherzigen Worten auch den Musiker Aladin Haddad.
Wie stark können Erinnerungen einen Menschen beeinflussen? Sind es emotionale Impulse oder das Erinnern an verdrängte historische Orte? Manchmal ist es nur ein Funke, der wie ein Auslöser funktioniert und gespeicherte Informationen abrupt ins Bewusstsein ruft. Emotionen und Erinnerungen liegen dicht beieinander.
Auf spannende Art und Weise, anrührend und gefühlvoll zugleich, erzählt die Autorin die Geschichte von Malaika und ihrem 13-jährigen Sohn Merlin, die in eine Siedlung in Bremen-Woltmershausen ziehen, wo sich von 1936 bis 1940 eine Familienfürsorgeanstalt der N***s für sogenannte »Asoziale« befand, die »umerzogen« werden sollten – ohne es zu wissen. Ein grausamer Erinnerungsort!
Schon bei ihrem Einzug spüren sie, dass sie beobachtet werden. Sind sie willkommen in einer verschworenen Gemeinschaft an diesem Platz?
Der Roman ist eine literarische Annäherung an ein historisches Thema: Die Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart – Vergessen und Erinnern. Sie geht den Fragen nach: Was macht die eigene Identität aus? Kann man die überlieferte Geschichte ignorieren, oder holt sie einen ein? Ulrike Kleinert macht so erlebbar, wie sich historische Strukturen in heutigen sozialen Dynamiken bei Misstrauen, Ausgrenzung oder aber Gemeinschaften fortsetzen.
1940 wurde die »Wohnungsfürsorgeanstalt« geschlossen und in eine normale Wohnsiedlung umgewandelt. Heute trägt sie den Namen Warturmer Platz und ist eine gepflegte Wohnanlage.
Frau Kleinert schloss die Lesung mit den Worten: »Die Personen in meinem Roman sind erfunden, wie vieles andere auch, aber die Geschichte der Umerziehungsanstalt in Bremen ist wahr.«
Ulrike Kleinert,
geboren 1955, hat einen beruflichen Hintergrund. Sie studierte Sozialpädagogik und war viele Jahre in sozial herausfordernden Stadtteilen Bremens als Kita-Leiterin tätig, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte: Lyrik, Prosa, Kurzgeschichten und Jugendbücher. Viele ihrer Texte zeichnen sich durch feine Beobachtungen des Alltags, soziale Themen und Empathie aus.
Ulrike Knospe,
geboren 1965, mit Berufserfahrung als Schauspielerin, gastiert an verschiedenen Theaterbühnen, wirkt in TV-Produktionen mit und arbeitet regelmäßig als Sprecherin beim Hörfunk.
Aladin Haddad
ist Gitarrist und leidenschaftlicher Musiker. Durch seine professionelle Ausbildung und Auftritte auf internationalen Bühnen hat er eine eigene Klangfarbe entwickelt, die seine Interpretation von Gitarrenmusik »einzigartig und exquisit« macht.
Am Ende der Lesung nutzten viele der Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gedanken auszutauschen, während sich am Büchertisch andere in eine wartende Schlange einreihten, um ein Exemplar des Buches zu erwerben.
Die Veranstaltung verlief äußerst erfolgreich und stieß bei allen Beteiligten auf sehr positive Resonanz.
Foto: Monika Sattelberg
>>> Hier geht’s zum Buch: https://www.kellnerverlag.de/erinnerungsfunken.html