15/09/2026
Der Verlag an der Kleinen Weser lud ein
am 4. September, um 17 Uhr
>>>Ein Bericht von Monika Sattelberg
Im Rahmen von »Bremen liest« stellte Manuel Dotzauer sich und seine Verlagsarbeit vor, gab einen Blick hinter die Kulissen und erläuterte die vier Fragen eines Verlegers.
In einem kleinen Raum des KellnerVerlages fand sich nacheinander die interessierte Leserschaft ein. Schließlich waren alle Plätze belegt. Mit den Worten: »Das ist ja toll, dass so viele gekommen sind – das freut mich sehr«, begrüßte Manuel Dotzauer sein Publikum.
Zunächst stellte er sich und den Verlag vor, der 1988 von Klaus Kellner gegründet und 2020 von ihm übernommen wurde.
Schwerpunktmäßig werden hier Bücher mit lokalen Bezug zu Bremen und Bremerhaven, sogenannte »Bremensien« verlegt. Zudem erscheinen Stadtgeschichten, Sach- und Fachbücher, Bücher zu Arbeitsrecht und Belletristik (Romane, Regionalkrimis, Kochbücher), so der Verleger.
Den Weg bis hin zum Buch beschrieb er so:
Hier werden Manuskripte von neuen und bereits erfahrenen Autorinnen und Autoren entgegengenommen. Dann erfolgt nach einer Leseprobe ein Gespräch.
Für die Beurteilung, Zu- oder Absage, nannte der Verleger vier wirtschaftlich ausgerichtete Fragen:
- Wer kauft das Buch? – Zielgruppe und deren Erreichbarkeit
- Wer bezahlt? – realistischer Verkaufspreis
- Wie viele Exemplare sind möglich? – konkrete Absatzmöglichkeiten
- Wer finanziert das Projekt? – Einschätzung der Wirtschaftlichkeit
So war interessant zu hören, dass der Verlag ein Manuskript nicht ausschließlich nach literarischer Qualität bewertet, sondern auch, ob dieses Buch eine Leserschaft findet, wie es sich herstellen und verkaufen lässt. Den Wünschen der Verfasser – auch außergewöhnlichen – wird weitestgehend entsprochen, erfuhr das Publikum.
Zu Kooperationen, als Teil seines Geschäftsmodells, nannte Manuel Dotzauer u. a. die Bremer Kanzlei für Arbeitsrecht, die Hochschule Bremen, die Seniorenvertretung Bremen und Kulturinstitutionen. Kooperationen bringen entscheidende Vorteile, insbesondere für kleinere Verlage, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sichtbarkeit und Vertrieb seien das größte Problem. Als Beispiel führte der Verleger die Buchmessen an. »Die Kosten für die Stände sind immens. Durch Gemeinschaftsstände teilen sich Verlage die Kosten und ziehen durch den größeren Auftritt mehr Aufmerksamkeit auf sich, was nachzuvollziehen ist.«
Erwähnenswert für Autorinnen und Autoren: Sie können zum Beispiel von Stiftungen unter Umständen Fördergelder erhalten, wenn das Buch zu deren Förderzweck passt (Bezug zu Bremen hat).
Das Geld muss dabei nicht zwingend direkt an den Verlag gehen.
Nach fachmännischer Beantwortung vieler Fragen verließen die Gäste am Ende mit dem Ausspruch »Wieder etwas dazugelernt« zufrieden die Veranstaltung.
Foto: Monika Sattelberg