18/06/2026
Deutschlands Bericht zur Digitalen Dekade 2026 hat eine Schwachstelle offengelegt, über die viele Unternehmer nur ungern sprechen.
Wir betreiben ein Unternehmen in einem Markt, der auf stabile und schnelle Konnektivität angewiesen ist. Deshalb sollte dieser Bericht eigentlich Zeile für Zeile gelesen werden. Der Ausbau der Glasfaser bleibt weiterhin Deutschlands größte digitale Baustelle.
Glasfaser bis ins Gebäude bzw. bis zum Endanschluss (FTTP) erreichte in Deutschland im vergangenen Jahr lediglich 43,98%, gegenüber 36,8% im Jahr 2024. Der EU-Durchschnitt liegt bereits bei 74,13%, wodurch Deutschland beim Glasfaserausbau weiterhin den vorletzten Platz innerhalb der Europäischen Union einnimmt. Interessanterweise werden nur rund 25% der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich genutzt, da bestehende Kupfer- und Kabelnetze für viele Nutzer noch ausreichend sind.
Bei Gigabit-Netzen und 5G zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Gigabit-Abdeckung stieg leicht auf 79,86%, während der EU-Durchschnitt bereits bei über 85% liegt. Im Mobilfunk sieht es anders aus: Die allgemeine 5G-Abdeckung von 99,47% übertrifft sogar den EU-Durchschnitt von 96,79%. Im Frequenzbereich von 3,4 bis 3,8 GHz, der für industrielle IoT-Anwendungen besonders wichtig ist, erreicht Deutschland jedoch nur 54,43% gegenüber einem EU-Durchschnitt von nahezu 75%.
Auch beim E-Government gibt es Licht und Schatten. Das neue Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) hat zwar für neuen Schwung gesorgt, doch die föderale Fragmentierung spiegelt sich weiterhin in den Zahlen wider. Digitale Bürgerdienste erreichten 78,11 von 100 Punkten und liegen damit unter dem EU-Durchschnitt von 84,64. Die Nutzung der elektronischen Identität (eID) liegt bei lediglich 15% – dem viertniedrigsten Wert in .
Andere sehen die Situation differenzierter. Wie bereits erwähnt, liegt die grundlegende 5G-Abdeckung Deutschlands über dem EU-Durchschnitt. Zudem wurde in diesem Jahr mit dem BMDS ein eigenes Digitalministerium geschaffen – ausgestattet mit einem echten Budget. Das deutet auf eine unbequeme Wahrheit hin: Möglicherweise handelt es sich nicht nur um ein Infrastrukturproblem, sondern auch um ein Gewohnheits- und Umsetzungsproblem.
Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung. Das Gegenteil zu behaupten, hilft niemandem weiter. Deutschland wird derzeit dazu aufgefordert, die anstehenden Überarbeitungen seiner nationalen Digitalstrategie deutlich zu beschleunigen, um die EU-Ziele für 2030 noch erreichen zu können.
Was Führungskräfte besonders beunruhigen sollte, ist die Finanzierungslücke, die bereits in diesem Jahr näher rückt. Unabhängig davon, auf welcher Seite dieser Debatte man steht: Darauf zu warten, dass die Politik eine Entscheidung trifft, ist keine Strategie.
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