27/08/2026
Ox Alpha: Eine Fallstudie zu anonymer KI und dem verborgenen Risiko „kostenloser“ KI-Modelle
295 Millionen Anfragen in fünf Tagen. Null Informationen darüber, wer das Modell entwickelt hat.
Ein neues anonymes KI-Modell namens Ox Alpha tauchte kostenlos auf und wurde schnell zu einem der meistgenutzten Modelle auf OpenRouter. Es bot riesige Kontextfenster und leistungsstarke agentische Coding-Funktionen – ohne dass ein Name dahinter stand. Das Modell bot ein Kontextfenster von einer Million Tokens, die Verarbeitung von Bildern und Videos sowie die Möglichkeit, externe Tools aufzurufen – Funktionen, die normalerweise Premium-Modellen vorbehalten sind.
Entwickler stürzten sich darauf: kostenloser Zugang, ein riesiges Kontextfenster, multimodale Fähigkeiten, Tool-Nutzung und starke Ergebnisse in Coding-Benchmarks machten das Modell besonders attraktiv. Laut OpenRouter-Daten stieg die Nutzung von 27 Millionen Anfragen am ersten Tag auf 79 Millionen Anfragen nur vier Tage später. Das tägliche Token-Volumen kletterte von 2 Billionen auf 5,8 Billionen Token. Ein ungeprüfter Benchmark mit einem angeblichen Score von 80%, der Ox Alpha vor Claude Fable 5 und GPT 5.6 Sol platzierte, verbreitete sich ebenfalls rasant. Ein späterer, umfassenderer Test mit 113 Aufgaben zeigte jedoch ein deutlich moderateres Ergebnis von 58,4%.
Währenddessen wurden alle Prompts und Outputs an einen Betreiber übermittelt, dessen Identität niemand kannte. Zunächst wusste niemand, wer dahintersteckte oder wohin die Nutzerdaten gingen.
Inzwischen hat Z.ai gegenüber Bloomberg bestätigt, dass Ox Alpha eine neue Variante seiner GLM-Modellfamilie ist. Damit ist das Rätsel gelöst. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass Nutzerdaten – darunter Prompts, Quellcode und Modell-Outputs – tagelang an ein chinesisches Unternehmen übermittelt wurden, bevor die Nutzer überhaupt wussten, wer dahintersteckte. Und das ist nicht das erste Mal. Z.ai testete bereits im Februar ein früheres GLM-Modell anonym. Auch OpenAI, xAI, Mistral, und Xiaomi haben diese Strategie bereits genutzt. Z.ai zufolge sollen die Modellgewichte veröffentlicht und der gehostete Zugang für eine Woche kostenlos bleiben. Wie die zukünftige Preisgestaltung aussehen wird, ist noch offen.
Kostenlos und beeindruckend bedeuten nicht automatisch sicher. Kostenloser Zugang kann die Einstiegshürde für Experimente senken – aber gleichzeitig auch die Hürde für eine versehentliche Datenpreisgabe. Bevor du vertraulichen Quellcode oder Unternehmensdaten durch ein nicht identifiziertes KI-Modell laufen lässt, solltest du zwei Fragen stellen:
👉 Wer steckt dahinter?
👉 Wohin gehen meine Daten?
Würdest du ein anonymes KI-Modell mit dem Quellcode deines Unternehmens testen?