12/06/2024
Auszug aus der Rede zur Verleihung des Bröckemännche-Preises
10 Thesen als Mahnung für die schöne Stadt Bonn
Der Bonner Medien-Club (BMC) verleiht den Bröckemännche-Preis an „Persönlichkeiten, die sich nicht in Schablonen pressen lassen, die Mut zum Unkonventionellen haben und gegen den Strom schwimmen“. Ich danke dem BMC, dass er mich in diesem Jahr für würdig befunden hat, diesen Preis zu erhalten.
Um die Deutungshoheit über meinen fachlichen Teil der „Dankesrede“, in der ich „gegen den Stachel löcke“, nicht der Presse zu überlassen, sondern allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen, veröffentliche ich hier meine 10 Thesen als Mahnung an uns alle, als Stadtgesellschaft und an die kommunal Verantwortlichen in Bonn.
Gleich vorweg: Diese Thesen richten sich nicht gegen die amtierende Koalition, nicht gegen eine politische Couleur oder gar einzelne Personen. Nein, es sind subjektive und gerne konstruktiv kritisierbare, etwas polarisierende Ansichten von mir als Person. Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und ich habe auch nicht das Recht gepachtet. Die Punkte sollen zum Nachdenken, zum kritischen Diskurs und zum Widerspruch anregen, um es am Ende in dieser Stadt Bonn besser zu machen.
Und es gilt: Jeder, der sich kommunalpolitisch engagiert, ob im Rathaus, im Stadtrat oder in den Bezirksvertretungen, verdient höchste Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit. Diesem Engagement jedes Einzelnen, gleich welcher Meinung, welcher politischen Couleur oder aus welchem Grund, gebührt aus meiner Sicht der Dank der gesamten Stadtgesellschaft.
Redemanuskript des fachlichen Teils von Dr. Jörg Haas zur Verleihung des Bröckemännche-Preises durch den BMC am 10.06.2024 in der Godesburg:
„Gegen den Stachel löcken
Wenn Sie mir ein Beispiel erlauben, welches bitte nicht parteipolitisch, sondern parteiübergreifend kommunalpolitisch verstanden werden soll:
10 kurze Thesen als Mahnung für diese wunderschöne Stadt Bonn
1. Wie sollte eine Oberbürgermeisterin oder ein Oberbürgermeister sein?
Ein OB, gleich welcher Couleur, sollte nicht „feierfreudig“ auf jeder Veranstaltung präsent sein müssen. Vielmehr sollte ein OB/eine OBine sich auf die fachliche und sachliche Führung konzentrieren und primär für kommunale Ordnung und Entscheidungen sorgen.
=> Ein OB ist kein Karnevalprinz/-essin sondern erster Diener dieser Stadt.
2. Es sollte viel mehr Vertrauen und Freiheit in Führungskräfte gesetzt werden!
Den Führungskräften in der Stadtverwaltung ist Freiraum und Vertrauen entgegenzubringen verbunden mit einem viel größerem Entscheidungsspielraum. Anstelle übermäßiger Regelwerke sollte auf den vernünftigen Menschenverstand der fachlichen Führungskräfte auf der zweiten & dritten Ebene vertraut werden.
=> Vernunft mit Sachverstand schlägt Regelungswut und Bürokratie.
3. Prozesse optimieren, digitalisieren und automatisieren
Die kommunale Verwaltung sollte konsequent und mit Hochdruck vollständig prozessoptimiert, digitalisiert und künstlich intelligent automatisiert werden.
=> Alles, was automatisierbar ist, sollte konsequent automatisiert werden.
4. Einführung eines konsequenten Leistungsprinzips
Es sollte ein klarer, persönlicher Leistungsanreiz für jeden einzelnen Mitarbeiter der Stadtverwaltung geschaffen werden. Den Beamtenstatus sollte man tunlichst vermeiden und Under-Performer konsequent degradieren.
=> 3.500 motivierten Angestellten sind besser als 7.000 Verängstigte.
5. Willkommenskultur
Die Stadt Bonn braucht eine klare Willkommenskultur für Bürger und Unternehmen, Investoren und Kulturbetreiber, für Musik- und Freizeitveranstaltungen.
=> So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.
6. Wichtigster Standortfaktor für Unternehmen, Institutionen und Bürger
Eine herausragende Kleinkinderbetreuung, beste Grundschulen und exzellente weiterführende Schulen in Verbindung mit einer familienfreundlichen, sauberen und sicheren Stadt sind die wichtigsten Standortfaktoren für Arbeitnehmer, Institutionen und Unternehmen.
=> Kinder und die Familie beherrschen die Standortentscheidung
7. Universitätsstadt Bonn - das größte Geschenk für Bonn
Die Stadt Bonn, seine Stadtgesellschaft und die vielen herausragenden Hochschulen in und um Bonn müssen aktiv zu einer Symbiose werden. Wir müssen diese Hochschulen als Stadt achten, schätzen, fördern und viel mehr nutzen.
=> Hochschulen machen eine Stadt jung & attraktiv.
8. Wirtschaft, Dienstleistung und Handel finanzieren eine Stadt
Die Gestaltung und Lebendigkeit unserer Innenstadt, die Förderung des Handels, der Dienstleistung und Industrie, sind entscheidend für eine prosperierende Stadt. Wer auf 64 Seiten Koalitionsvertrag nur 1 ½ Seiten ökonomische Platituden benennt, der gehört nicht in eine kommunale Verantwortung.
=> Auch für eine Stadt gilt: Ohne Moss nix los!
9. Wer Ökologie gegen Ökonomie ausspielt, stellt Umwelt gegen Wohlstand
Dies ist nicht nur komplett falsch, sondern auch saudumm. Es ist ein Irrtum, Ökologie und Ökonomie als gegensätzliche Ziele zu betrachten. Wenn wir den Wohlstand als Preis für eine bessere Umwelt verstehen, dann zerreißen wir ohne Not unsere Gesellschaft.
=> Gegen eine Verbotsphilosophie und für ein motivationales Anreizsystem.
10. Die kommunalpolitische Elite muss eine Zukunftsvision entwickeln.
Wer führen will hat auch langfristige strategische und visionäre Fragen zu beantworten: Was müssen wir heute von langer Hand vorbereiten, damit auch in der nächsten Generation die Menschen gerne in Bonn leben möchten?
=> Wer Verantwortung trägt, muss über sein eigenes Wirken hinausdenken.“