30/11/2017
Und zum Schluss das Ende.
Inzwischen ist es still geworden.
Draußen ist es kalt und es regnet häufig.
Die letzten Sonnenstrahlen schaffen es nur noch selten durch die dunkle und dichte Wolkendecke.
Der Herbst hat sich bereits verabschiedet und der Winter kündigt sich deutlich an. Das Jahr 2017 wird in wenigen Tagen schon zur Vergangenheit gehören.
Einige mögen sich fragen, was ist nun aus unserem Protest und unseren Aktionen geworden, was mit den Menschen auf den vielen Bildern, welche den Protest am Standort Wohlrabedamm so zahlreich illustrierten?
Nun, die Proteste sind inzwischen lange verhallt.
Der Standort, wie er auf den Bildern noch zu sehen ist, wurde bereits im Mai 2017 aufgegeben.
Inzwischen komplett beräumt, sind die Flure verwaist, die Einrichtungen entfernt und die ehemaligen Büros menschenleer.
Hinter einem alten, zurückgelassenen Umzugskarton, schaut noch ganz scheu ein winziges Stück einer der roten Protest-Karten hervor.
Sie hat sich unbemerkt versteckt und harrt als eines der letzten Symbole unseres Widerstandes hier tapfer aus. Damals ein Zeichen des Protests, nun bereits ein Relikt.
Die meisten Kolleginnen und Kollegen auf den Fotos, haben das Unternehmen bereits verlassen.
Nur eine sehr kleine Gruppe der vom Abbau betroffenen, sind noch immer dem Unternehmen angehörig und gehen ihrer Beschäftigung aus dem Homeoffice heraus oder an einem anderen Standort nach.
Was aus all den anderen wurde?
Es gab inzwischen viele Verabschiedungen. Einige im etwas größeren Rahmen, viele jedoch auch sehr leise. Was soll man auch feiern, wenn einer der langjährigen und unmittelbaren Kollegen geht? Es ist kein Geburtstag, kein Jubiläum, sondern oft ein Abschied für immer, ein Abschied den alle befürchtet haben und den keiner wollte. Jedenfalls nicht so. Nicht hier und nicht unter diesen Umständen.
Dennoch konnten viele der ehemaligen Mitarbeiter in einem anderen, großen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz beziehen.
Einige Personen schieden altersbedingt aus dem Berufsleben aus und von anderen hat sich die Spur irgendwo verloren.
Diejenigen, welche noch im Unternehmen verblieben waren, treiben mit dem Nokia-Boot auf den Abbauwellen flussabwärts. Ein Aufschwung scheint ausgeschlossen und firmenpolitisch nicht gewollt. Es ist eben ein marktwirtschaftliches Prinzip. Ein Prinzip, was aus Mitarbeitern und Kollegen, Wirtschafts- und Verfügungsmasse macht.
Was hat er nun gebracht, der Protest und die Aktionen?
Der Vollständigkeit halber, muss auch erwähnt werden, dass es Abfindungsregelungen und finanzielle Ausgleichszahlungen durch den Arbeitgeber, verhandelt in einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft gegeben hat. Ob nun der Umfang in jedem Fall eine Entschädigung, ein Ausgleich oder nur einen Minimalbonus dargestellt hat, bleibt offen. Dies hing immer vom Einzellfall und der persönlichen Einschätzung des jeweiligen Beanspruchers ab.
Und genauso schwierig ist zu bewerten, welchen genauen Anteil an der Höhe der Leistungen und Regelungen unser Protest schlussendlich trägt.
Aber es ist davon auszugehen, dass ohne Protest auch die Unterstützung der Gewerkschaft kaum in diesem Umfang möglich gewesen wäre. Denn ohne Aktion - kein Gesicht. Die Angebote seitens des Arbeitgebers wären ganz sicher deutlich geringer gewesen. Denn auch hier verhindert das marktwirtschaftliche Prinzip ein Verschenken von finanziellen Mitteln, wenn man es denn nicht müsste.
Richtig!
Sie mussten!
Genau darum gab es was!
Und genau darum war es sehr wohl wichtig, unsere Position und Haltung deutlich zu zeigen und unseren Protest öffentlich zu machen.
Aus meiner Sicht ein Stück Erfolg, welchen jeder für sich selbst bewerten muss.
Umsonst war ganz sicher nichts von alledem.
Davon kann man ruhigen Gewissens ausgehen.
Ich für meinen Teil, sehe dies jedenfalls so.
Wir danken abschließend allen Unterstützern, allen die Gesicht gezeigt und uns Stimme verliehen haben für ihren unermüdlichen Einsatz, im Kampf gegen den Verlust unserer Arbeitsplätze!