07/09/2023
Eindrücke des zweiten Tages auf der - genaueres Hinsehen beschert überraschende Erkenntnisse, auch unterhalb der EV-Oberfläche.
Die Europäer besinnen sich und greifen die Austauschbarkeit der Chinesen an mit Reminiszenzen ihrer Erfolge auf neuen Plattformen: mit dem ID2 und Golf GTI im bewährten Golf/Polo-Format, der Audi A6 eTron hotter denn je, BMW Neue Serie im Geliebten BMW 3er-Format, Renault mit einem wunderschönen e-Scenic (wir warten auf den eR5), Ford Deutschland mit eMustang. EVs nehmen die Formen erfolgreicher Verbrenner an.
Die Chinesischen CEOs treffen die deutsche CEOs. Es ist ein öffentlicher Schlagabtausch der gesichtswahrenden Art: die Chinesen betonen ihre technologische Übermacht, sprechen von ihrem wenig profitablen Markt, von globaler Kooperation und koordinierter Regulierung. Der VDA spricht von Globalisierung. Die deutsche Regierung schickt eine Staatssekretärin, deren Vortrag ich nicht verstehe.
Der Anteil von EV in der Welt liegt derzeit bei 2%, der Verkauf liegt bei 30%, 60% aller EV kommen aus China. Bloomberg hatte gerade gemeldet, dass der Verbrauch von Treibstoffen ein neues Hoch erreicht hat. Wenn man die EV-Oberfläche abkratzt und genauer hinschaut, dann sieht man sie - die vertraute Verbrennerwelt, welche die Europäer so gut beherrschen.
Denn man kann nicht nicht kommunizieren. Und so ergeben die kleinen Stände der Hersteller plötzlich Sinn. Stellantis und die Amerikaner sind garnicht erschienen. Sie finden sich nicht wieder auf dieser EV-IAA.
Und dann sind da diejenigen, die das Motto der IAA freier interpretieren. Renault und Geely werden ihre Verbrenner-Entwicklung und Produktion in Aurobay ausgründen, quasi in den Keller stecken und weiterhin nutzen. Deswegen zeigen sie Flagge auf der IAA. Gegenüber des Aurobay-Stands ist das einzige Café, wo man sitzen und den Rausch von Eindrücken verarbeiten kann.
Auf der anderen Seite vom Café unterzeichnet Mate Rimac gerade einen Kooperationsvertrag mit EVE. Daneben ist der Stand von CATL mit ähnlichen Parametern. Hier wird noch hart gekämpft, mit Basistechnologie, um jeden (Groß-)kunden.
Das coolste Feature gegen Screen-Fatigue im Cockpit stehender Messefahrzeuge hat Renault in seinem Scenic verbaut. Das Glasdach lässt sich mittels Knopfdruck stufenweise abblenden. Dem Produktcontroller sind angesichts der Kosten wahrscheinlich alle Haare ausgefallen - Sonnendächer werden bei alternden Fahrzeugen als Standard gesetzt und ohne Aufpreis abgegeben. Wenn dieses Feature in Serie kommt - hat Renault hier einen neuen Designklassiker kreiert? Ahhh... ich bin gespannt.
Ich freue mich auf die nächste IAA in zwei Jahren, wenn die Technologie und die Erkenntnis vorangeschritten ist. Und der VDA und Deutschland die vielleicht letzte Chance haben, mit der IAA eine wirklich globale B2B-Plattform für individuelle Mobilität zu schaffen. Die Voraussetzungen dafür sind in München hervorragend.