21/08/2026
Die vielleicht wichtigste Media-Tech-Veröffentlichung dieses Monats trägt nicht einmal „AI“ im Namen.
Es ist FFmpeg 9.0.
FFmpeg steckt unter der Haube von erstaunlich vielen Video-Workflows, die täglich genutzt werden, ohne dass man es überhaupt bemerkt: Encoding, Transcoding, Streaming, Filtering, Konvertierung, Packaging – und oft auch als Bestandteil größerer kommerzieller Systeme.
Version 9.0 ist interessant, weil Hardware-Beschleunigung zunehmend mehr bedeutet als nur „den finalen Encode auf die GPU schicken“. Dazu kommen weitere Verbesserungen rund um Vulkan, CUDA-Filtering, AMD AMF, AVX-512-Optimierungen und mehr.
Für uns bei RTCnow ist aber etwas anderes entscheidend:
Wenn man reale Streaming-Infrastruktur betreibt, misst man Performance nicht daran, wie beeindruckend ein Feature im Changelog klingt.
Man misst sie daran, wie viele Streams pro GPU möglich sind, wie sich CPU- und GPU-Last verhalten, wie viel GPU-Speicher benötigt wird, wie stabil der Workflow läuft und was nach Tagen oder Wochen im Dauerbetrieb passiert.
Jeder zusätzliche Verarbeitungsschritt, der effizient auf der GPU bleiben kann, kann einen echten Unterschied machen.
Aber ein großes FFmpeg-Release bedeutet für uns auch: Wir aktualisieren keine Produktionssysteme nur deshalb, weil das Changelog spannend aussieht.
Der Ablauf ist wesentlich unspektakulärer.
Build erstellen. Bestehende Pipelines reproduzieren. Output vergleichen. CPU- und GPU-Auslastung messen. Hardware-Pfade testen. Unter Last laufen lassen. Herausfinden, was nicht mehr funktioniert. Probleme lösen oder Workarounds bauen. Und erst dann über Produktion nachdenken.
Open Source wird oft als günstigere Alternative zu kommerzieller Media-Software beschrieben.
Nach vielen Jahren im Streaming-Betrieb halte ich das für zu kurz gegriffen.
Der eigentliche Wert von Werkzeugen wie FFmpeg ist, dass wir fast jeden Teil der Media-Pipeline verstehen, messen und optimieren können.
Das ist deutlich wertvoller als einfach nur „kostenlos“.
Bild mit KI generiert.