25/06/2026
Vermännlichen heute Frauenstimme wegen „Emanzipation“?
Prof. Dr. Florian Becker hat vor einigen Wochen durchaus zugespitzt darauf hingewiesen, dass seit mehreren Jahrzehnten Stimmfrequenzanalysen immer tiefere Stimmen bei Frauen in Deutschland zeigen, wogegen die Stimmen der Männer weitgehend unverändert bleiben. Und in seinem Beitrag nahegelegt, Frauen würden einem männlichen Stereotyp nacheifern, indem sie tiefer sprechen.
Die vielen zitierten Studien suggerieren ein klares Bild.
Jedoch:
Die landläufigen Diskussionen über tiefe Stimmen sitzen einem grundlegenden Missverständnis auf. Denn es ist eine völlig unzulässige Verkürzung, die menschliche Stimme in ihrer Genese und Wirkung nur auf die Attribute hoch und tief zu reduzieren. Das, was uns erreicht und bewegt, ist Klang mit all seinen Facetten. Dieser Ton, der die Musik macht, verrät dabei:
- Befindlichkeit, Anspannung und Ängste
- der Wunsch zu führen und zu lenken
- (Selbst-)Empathie und Zuhörbereitschaft und, besonders wesentlich
- die eigenen Rolle bzw. die Einstellung zum Gegenüber
Dass sich im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte die rollenbezogenen Attribute der weiblichen Stimmen verändern, kann dabei wohl nicht erstaunen.
Dass dabei "die Frauen" ein männliches Stereotyp übernehmen, will ich ebenfalls nicht so stehen lassen. Als Coach begleite ich seit vielen Jahren Frauen wie Männer dabei, die innewohnenden Ressourcen ihres stimmlichen Ausdrucks in größerem Maße zu nutzen. Und dabei geht es nie darum "tiefer" zu sprechen - siehe oben.
Falls es Dich interessiert, ich habe das Thema kürzlich im Podcast aufgegriffen: https://stimmewirkt.simplecast.com/episodes/resonanz-der-macht-wie-frauen-mit-ihrer-stimme-die-welt-verandern-folge-324?utm_campaign=meetedgar&utm_medium=social&utm_source=meetedgar.com