26/09/2022
Ein spannender Begriff, der mir bei der Recherche eben über den Weg gelaufen ist: Featuritis (bzw. das englische Pendant: feature creep).
Der deutsche Begriff setzt sich zusammen aus feature - englisch für Merkmal/Eigenschaft oder Funktion/Funktionalität - und der Endung -itis (bezeichnet eine entzündliche Krankheit).
Was genau ist das?
Damit bezeichnet man den Versuch, so viele Funktionen wie möglich in ein Produkt, z.B. eine Software oder App, zu packen, um so die Bedürfnisse möglichst vieler Nutzer zu befriedigen. Häufig geht das aber nach hinten los: Die App oder die Plattform bläht sich unnötig auf, wird unübersichtlich und überfordert die Nutzer.
Viele meiner Kunden möchten in ihre Plattformen gern möglichst viele Features eingebaut haben, um es möglichst vielen Nutzern recht zu machen. Eigentlich gut für mich, denn mehr Features = mehr Arbeit = mehr Geld. 😁 Da ich aber mit vielen Kunden teilweise über Jahre hinweg zusammenarbeite und für alle Beteiligten ein gutes Produkt erschaffen möchte, stelle ich mittlerweile sehr früh im Entwicklungsstadium die Frage: Brauchen wir das Feature wirklich?
Ideen für neue Funktionen kommen sehr schnell. Im Kopf klingen sie häufig erstmal richtig gut. Wenn man sich aber die o.g. Frage stellt und wirklich mal hinterfragt, welche Auswirkungen diese Idee wirklich hat (Wie groß ist der tatsächliche Nutzen? Wie aufwendig ist die Entwicklung? Lohnt sich das überhaupt?), kommt man recht häufig zu dem Ergebnis, dass die Energie woanders besser aufgehoben wäre.
Besonders gut funktionieren diese Gedankenspiele, wenn alle Beteiligten das Pareto-Prinzip (80/20) zumindest in Grundzügen kennen. In der Softwareentwicklung ist es tatsächlich recht häufig so, dass viele Features sehr viele Ressourcen binden, aber nur einen geringen Nutzen bringen.
Ich bekomme recht häufig das Feedback, dass die von mir entwickelten Produkte intuitiv und einfach zu bedienen sind. Das ist genau das, was ich erreichen möchte. Viel zu viele Plattformen und Anwendungen sind überladen, zu komplex und machen keinen Spaß zu bedienen.
Wie siehst Du das? Magst Du Apps lieber, wenn sie tausende Möglichkeiten bieten oder eher, wenn sie übersichtlicher sind?