30/05/2026
Macron mixt jetzt deutsch: Der Thermomix wird zur Industrie-Botschaft
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im Élysée-Palast bald ein neues Prestigeobjekt stehen: keinen Orden, kein Gemälde, sondern einen Thermomix. Bei seinem Besuch im Vorwerk-Werk in Donnemain-Saint-Mamès bekam Macron die zweimillionste dort produzierte Küchenmaschine überreicht – ein deutsches Kultgerät, gebaut auf französischem Boden.
Das Modell TM7 kostet rund 1500 Euro und kann rühren, kochen, pürieren und vermutlich mehr Geduld beweisen als manche Regierung. Macron nahm das Geschenk mit sichtbarer Freude entgegen und versprach, das Beste aus dem Gerät herauszuholen. Ob der Präsident künftig selbst Suppen mixt oder Saucen rettet, bleibt offen. Politisch angerichtet war der Termin aber allemal.
Denn aus einem freundlichen Fabrikbesuch machte Macron eine klare Botschaft: Frankreich will zeigen, dass Industrie dort nicht nur verwaltet, sondern tatsächlich ermöglicht wird. Kurz vor dem Investoren-Gipfel „Choose France“ kam der Auftritt wie gerufen. Das neue Werk entstand in nur zwei Jahren, kostete fast 130 Millionen Euro und brachte über hundert neue Industriearbeitsplätze in eine kleine Gemeinde.
Für Deutschland ist das Ganze durchaus unangenehm. Der Thermomix gilt als deutsches Erfolgsprodukt, sein Motor kommt aus Wuppertal – doch montiert wird er massenhaft in Frankreich. Vorwerk lobt dort schnelle Genehmigungen, gute Infrastruktur, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Energiepreise. Genau an diesen Punkten hört man in Deutschland oft eher Beschwerden als Erfolgsmeldungen.
So wurde aus Macrons Küchenmoment plötzlich ein Seitenhieb auf den deutschen Standort. Während man hierzulande gern über Bürokratie, Dauerverfahren und Investitionsbremsen klagt, präsentiert Frankreich sich als Land, in dem Fabriken noch zügig entstehen können.
Macron feierte den Thermomix als Symbol deutsch-französischer Zusammenarbeit. Man könnte aber auch sagen: Deutschland erfindet, Frankreich liefert – und der Präsident rührt zufrieden um.