24/04/2026
Ausstellungsempfehlung 🙂
Ob ich diese Arbeiten zeigen sollte?
Die „Schwarzen Zeichnungen" von Thomas Duttenhoefer sind solche Werke. Großformatig, Kohle auf Leinwand, bis zu 120 × 160 Zentimeter groß und dicht gedrängt im Bildvordergrund eine Welt, die uns gleichzeitig fremd und erschreckend vertraut vorkommt: Stiermenschen, Hundemenschen, Wildschweinmenschen. Kreaturen zwischen Tier und Mensch, zwischen Mythos und Gegenwart. Hybride Wesen, die in Aufruhr sind. Dazu noch in monochromer Farbigkeit.
Ich gebe zu: Ich habe etwas gezögert, ob ich Arbeiten dieser Art zeigen kann / soll. Ob ich sie zeigen will. Unsere Welt steht in Flammen — Krieg, Gewalt, Entmenschlichung, wohin man schaut.
Braucht es das auch noch in einer Galerie? Muss Kunst diesen Abgrund spiegeln, wenn der Alltag ihn ohnehin kaum erträglich macht?
Ich glaube und bekenne mich: Ja.
Denn Duttenhoefer erfindet das Grauen nicht. Er hier letztlich sichtbar, was immer schon da war.
Die Hybridwesen, die Szenen der Unterwerfung und Gewalt sind nicht aus unserer Gegenwart destilliert, sondern aus Homer und Ovid, aus jahrtausendealten Erzählungen, in denen die Menschen sich selbst beim Schlimmsten zugeschaut haben.
Odysseus und Kassandra, Marsyas und Apollon, Minotaurus und Medusa: Diese Figuren kehren wieder. Sie kehren immer wieder. In anderen Kostümen, mit anderen Waffen, aber in denselben Konstellationen aus Macht, Begehren, Gewalt und Untergang.
Genau das meint der Titel unserer Ausstellung: Von der Gegenwart der Mythen. Der Mythos ist eben nicht Vergangenheit.
Er ist Struktur. Und Duttenhoefer zeigt uns diese Struktur mit der Schwärze der Kohle, mit der Wucht des Alptraums und mit der Präzision eines Künstlers, der genau weiß, was er tut.
Kunst schützt uns nicht vor der Realität. Aber sie gibt uns einen Ort, sie auszuhalten. Anzuschauen. Zu benennen.
Wer diese Zeichnungen auf Leinwand sieht, wird ruhiger — und unruhiger zugleich.
„Thomas Duttenhoefer. Ein Bildner. Von der Gegenwart der Mythen."
Eröffnung im Beisein von Thomas Duttenhoefer am 26.04.2026 um 12 Uhr.
Laudatio: Prof. Dr. Stiegemann, ehemaliger Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Paderborn.